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Auf Engels Sohlen in Südafrika

Andreas Venhorst

Andreas Venhorst

Das letzte Mal haben wir uns bei Engels im Spätsommer 2012 getroffen. Du mit einer Schiene am Arm, grün und blau überall, genäht am Kinn. Was war passiert?

Während des Radtrainings wurde mir - wie so häufig - von einem Autofahrer die Vorfahrt genommen. Ich konnte nicht vollständig ausweichen, sondern lediglich die Geschwindigkeit etwas reduzieren... Was mich aber nicht vor einer komplizierten Handgelenksfraktur, zahlreichen Platzwunden und Prellungen bewahrt hat.

 

Wie hilfst Du Dir in einer solchen Situationen?

Als Leistungssportler muss Du die trainingsfreie Zeit so kurz wie möglich halten ohne dabei den Heilungsverlauf zu verzögern. Dies ist ein Balanceakt. Dabei musst Du Dich auf Dein Umfeld verlassen können. Sportler tendieren immer dazu, zu früh und zuviel zu trainieren. Sascha konnte mir in meinem Fall mit einer individuell angepassten Schiene helfen, schnellstmöglich das Training wieder aufzunehmen ohne dabei eine chronische Instabilität oder Versteifung im Handgelenk zu riskieren.

Du bist Doktor der Medizin und Ironman. Da ist man sicherlich besonders kritisch wenn es um das medizinische Umfeld geht, das man an seine Haut lässt.

In der Tat neigt man dazu, alles besser zu wissen. Man ist halt persönlich betroffen und das eigene Leid ist immer das Größte. Dennoch habe ich über die Jahre gelernt, dass man sich aus Gründen der Objektivität nicht selbst diagnostizieren und behandeln sollte. Man sollte sich daher ein medizinisches Umfeld suchen mit dem man das Vorgehen besprechen kann und das Verständnis für die Situation eines Leistungssportlers hat.

Bei Engels erfährst Du eine Vollversorgung - weit über Einlagen hinaus. Was macht ihr alles?

Nach jahrelangen orthopädischen Problemen und zahlreichen Verletzungen bin ich in Kontakt mit Engels gekommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich verschiedene Orthopädietechniker und verschiedene Konzepte erfolglos ausprobiert. Sascha hat sich dann erstmals Zeit für ausgiebige Diagnostik genommen und ein Konzept mit propriozeptiven Einlagen vorgeschlagen. Dies führte schnell zu völliger Beschwerdefreiheit und Christof half dann mit seinen Anpassungungen für maximalen Komfort. Dadurch kann ich diese Einlagen täglich und auch im Rahmen eines Ironman-Wettkampfes optimal nutzen. Darüber hinaus konnte mir Team Engels mit viel handwerklichem Geschick und individuell angepassten Armpolstern für das Zeitfahrrad helfen und damit zwei von drei Kontaktpunkten auf dem Fahrrad optimieren.

Neben Deinem Dr. med bist Du dabei, einen zweiten Doktor-Titel zu erwerben. Dafür bist du jetzt in Südafrika. Was treibt Dich dazu an?

Als Mediziner und Leistungssportler bin ich schon sehr zielstrebig. Einen Ironman-Titel habe ich letztes Jahr knapp verpasst (2. Platz Ironman Korea). Leistungssport und Medizinstudium waren bis dato nur Mittel zum Zweck. Mein eigentliches Karriereziel liegt im Bereich der Sportwissenschaft und Sportmedizin und daher werde ich einen zweiten Abschluss und Titel im Bereich „Exercise Science and Sports Medicine" am Sports Science Institute of South Africa, der Universität Kapstadt erwerben.

Zu welchen Kenntnissen und Qualifikationen kann/wird Dich Dein künftiges Studium bringen?

Das SSISA unter Leitung von Prof. Timothy Noakes ist eines der weltweit führenden Zentren im Bereich Leistungsphysiologie und Sportmedizin und ist eine der besten Adressen um wissenschaftliche Erfahrung auf internationalem Niveau zu sammeln. Zudem ist der medizinische Doktorgrad in wissenschaftlichen Kreisen nur bedingt von Bedeutung.

Drehen wir die Uhr ein bisschen weiter - sagen wir 3, 5, 7 Jahre:
 Wo siehst Du Dich mit all dem Wissen und dem komplexen Gebilde aus Wettkampferfahrung, Sportwissenschaft und Medizin?

Ich sehe mich nach Abschluss der Doktorarbeit am SSISA in der Position, mich an den weltweit führenden sportwissenschaftlichen Zentren für eine Anstellung zu bewerben. Da diese Positionen äußerst limitiert sind, muss man sich weltweit bewerben und mit der Lebensplanung etwas flexibel sein.

O.K.: Leistungssportler wissen, Sieger werden im Winter gemacht. 
Was rätst Du dem Breitensportler in unseren Gefilden wie er/sie ordentlich gesund durch den Winter kommt?
Welche Fehler begehen Breitensportler im Frühjahr nach einer Phase des "wenig-tuns"?

Der professionelle Leistungssport erfordert ein ganzjähriges Training auf höchstem Niveau. Daher sind Daueraufenthalte im Ausland oder zumindest regelmäßige Trainingslageraufenthalte hier die Regel. Dies ist für den Breitensportler nicht oder nur bedingt machbar. Reduzierte Trainingsumfänge werden dann im Frühjahr oftmals überkompensiert und Verletzungen und Übertraining sind die Folge. Trotz der Wintermonate kann man effektiv an vielen Sachen arbeiten und die erforderlichen Grundlagen schaffen, um im Frühjahr darauf aufzubauen. Die Tatsache, dass man nur in gewissen Schritten seine Trainingsumfänge und Intensitäten steigern kann, sollte Motivation genug sein, um auch in der kalten und dunklen Jahreszeit gezielt zu trainieren.

Mit anderen Worten: Ein durchgängiges und vernünftiges Wintertraining ist 1000 mal besser als ein Hau-Ruck Trainingslager im Frühjahr. Oder noch anders: Es gibt kein "schlechtes" Wetter, es gibt nur ...

Danke Andreas, wir werden unsere Unterhaltung fortsetzten. Bis bald.